Engelbert Lehmacher im Interview beim VDL Journal 3/2009

"Der Fußball – speziell die Bundesliga – hat einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Es überrascht, dass immer wieder über den schlechten Zustand der Rasenspielflächen geklagt wird. Woher rührt diese Problematik?"
Fußball wird traditionell auf Naturrasen gespielt, der als lebende, sich im Laufe der Jahreszeiten verändernde Pflanze, gewisse Bedürfnisse hat. Ungünstig für Naturrasen ist zum einen die moderne Stadionarchitektur mit der Folge ungünstiger Licht- und Luftverhältnisse für die Sportrasengräser. Dies führt zu einer Reduzierung der Regenerationsfähigkeit der Gräser und damit zu einer geringeren Belastbarkeit der Rasenspielfelder. Zusätzlich erschweren Fremdnutzungen in den Stadien (Konzertveranstaltungen etc.) die Erhaltung einer belastbaren sowie - nicht zu unterschätzenden - mediengerechten Rasendecke.
Nicht selten drängt sich dem Unterzeichner der Verdacht auf, dass die Stadionbetreiber die Gesetze der Natur einfach ignorieren. Die Witterungsverhältnisse, zumindest in Mitteleuropa ermöglichen im Winterhalbjahr kein Pflanzenwachstum und damit keine Regeneration der durch den Spielbetrieb verursachten Schäden im Bereich der Rasendecke. Nicht selten sind Fehler in der Planung und in der Ausführung die Ursache für mangelndes Wachstum des Sportrasens.
Konstruktionsfehler können leicht vermieden werden, indem dem Gras und dem Boden besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Diese beiden Faktoren sind die Vorrausetzung für die Instandhaltung eines gesunden bedarfsgerechten Naturrasens.

"Welche Anforderungen werden an das "Grün" von Fußballfeldern im Gegensatz zu Golfanlagen gestellt?"
Der signifikante Unterschied von Fußballrasenspielfeldern zu Golfanlagen ergibt sich zwangsläufig aus den unterschiedlichen sportfunktionellen Anforderungen des Fußball bzw. Golfspieles.
Die Anforderungen an eine Fußballrasenfläche, wie geregelte Wasserabführung, Scherfestigkeit, günstige Wachstumsbedingungen, Ebenheit, Gräserzusammensetzung der Rasendecke, Narbendichte sowie Ballrückprallverhalten gelten für die gesamte Fläche eines Fußballspielfeldes.
Die Planung und der Bau von Golfplätzen werden bestimmt von den Erfordernissen des Golfsports und den Wünschen des Bauherrn. Die entsprechenden Maßnahmen unterliegen jedoch auch den Erfordernissen des betroffenen Landschaftsraumes und den einschlägigen gesetzlichen Regelungen des Bundes und der Länder (z.B. hinsichtlich Naturschutzraumordnung etc.). Hinzu kommt, dass beim Golfsport sehr unterschiedlich differenzierte sportfunktionelle Anforderungen zu berücksichtigen sind, wie z.B. Abschläge, Spielbahnen und Grüns.
Auszugsweise sei nur darauf hingewiesen, dass die Regelschnitthöhe bei Fußballspielfeldern 30 mm beträgt, dagegen bei den Grüns von Golfanlagen 5 – 7 mm. Der Bau einer Golfanlage erfordert somit eine ungleich höhere Differenzierung der sportfunktionellen Anforderungen einschließlich
der technischen Funktionen. Allein schon die Verwendung der geeigneten Sportrasengräser für die Herstellung eines Fußballrasenspielfeldes oder eines Golfgrüns sind nicht vergleichbar.

"Ist der Einsatz von Kunststoffrasen im Sportplatzbau eine Alternative zum natürlich gewachsenen Rasen?"
Die Entwicklung von Kunststoffrasenflächen erfolgte ursprünglich ausschließlich als Alternative zu den heute unbeliebten Tennenplätzen. Der Einsatz von Kunststoffrasen im Fußball gewinnt durch die rasante technische Entwicklung weltweit immer mehr an Bedeutung (verständlicherweise uch in Abhängigkeit der unterschiedlichen Klimabedingungen).
Aus den Erfahrungen des Unterzeichners ist ein vollständiger Austausch der Rasenflächen mit Kunststoffrasenflächen nicht wünschenswert (spieltechnische sowie nicht zuletzt aus ökologischen Gründen).
Vielmehr wird es für die Kommunen und Vereine unabdingbar sein, die individuellen Anforderungen an die Sportanlagen vor Ort zu ermitteln und anschließend auch unter Berücksichtigung des Kostenfaktors eine
Entscheidung über den bedarfsgerechten Spielfeldbelag zu treffen.

"Können Mittel aus dem zweiten, von der Bundesregierung verabschiedeten Konjunkturprogramm
auch in den Bau bzw. die Restaurierung von Sportstätten fließen?"

Zumindest für das Land Niedersachsen wird bevorzugt die Sanierung von Sporthallen begünstigt (energietechnische Begründung). Dem Unterzeichner ist jedoch bekannt, dass für das Land Nordrheinwestfalen eine Förderung für Freisportanlagen möglich ist. Empfehlenswerterweise sollte die Möglichkeit einer Finanzierung aus dem Konjunkturprogramm länderspezifisch geprüft werden.

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